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Geschichten aus Bad Kleinkirchheim

Wenn's Herbst wird

Autorin: Brigitte Kaplenig

Jede Jahreszeit, so sagt man, hat ihren ganz besonderen Reiz. Und fragt man in die Runde, welche denn nun die schönste von allen sei, so stehen Sommer, Winter und Frühling ganz oben auf der Liste.

Wie aus der Pistole geschossen bekräftigt der begeisterte Skifahrer, dass doch nichts über einen schneereichen Winter mit bestens präparierten Pisten und gemütlichen Einkehrschwüngen gehe. Und die Sonnenanbeter unter uns führen mit funkelnden Augen an, dass nichts, aber auch wirklich gar nichts mit einem Sommernachmittag am See mit herrlichem Badewetter und sündhaft gutem Eis zu vergleichen sei. Der Frühling wiederum wird dafür gelobt, dass er es nach den kalten Wintermonaten mit seiner zarten Blütenpracht und den zunehmend wärmer werdenden Temperaturen schaffe, Herz und Seele zu erwärmen …

… dann ist da noch der Herbst. Dieser nimmt oftmals den letzten Platz auf der Liste der Lieblingsjahreszeiten ein. Schließlich, so hört man, werde es kälter, die Blumen würden verblühen, und auch das lustige Treiben des Sommers scheine irgendwie zum Stillstand zu kommen. Und doch hat meines Erachtens gerade der Herbst eine ganz besondere Qualität, zeigt er sich doch als die vielleicht wandelbarste Jahreszeit, eine Zeit der Gegensätze.

Da gibt es jene Tage, an denen man sich plötzlich beim Spazierengehen bewusst wird, dass vereinzelt Blätter am Weg liegen – erste Vorboten der kälteren Jahreszeit, wehmütiges Abschiednehmen vom Sommer. Doch blickt man dann im Oktober um sich, dann erscheint das bunte Farbenmeer der sich verfärbenden Wälder fast unwirklich in all seiner Pracht.

Herbst, das sind jene Tage, an denen man frühmorgens vor die Türe geht und feststellt, dass es Zeit wird, eine wärmere Jacke aus dem Schrank zu holen. Oder aber man fühlt sich von sommerlich warmen Tagen, die der Altweibersommer uns zum Geschenk macht, noch einmal so richtig verwöhnt.

Nur im Herbst schmeckt die Luft, die man einatmet, so herrlich nach reifen Äpfeln, verbranntem Holz und absoluter Frische und Reinheit. Es ist jene Zeit, in der die Balkonblumen eingewintert werden und die Gräber geschmückt für die bevorstehenden Allerheiligen. Statt Blumen zieren nun mitunter Nebelschwaden die Äcker und Wälder. Dieser weiße Schleier der Stille ist eine andere Art des Schmuckes. Doch auch er löst in uns eine Palette von Gefühlen aus, wie es im Sommer die Blumen zu tun vermögen. Er lädt uns dazu ein, innezuhalten, in uns hineinzuhorchen und uns zu besinnen.

All diese Gegensätze – die Freude an den bunten Blättern, die im Winde tanzen, aber auch die Momente der Einkehr und des Abschiednehmens – machen den Herbst zu einer besonderen Jahreszeit. Und so verwundert es nicht, wenn man beim Spazierengehen dann doch immer wieder die Worte „Ich hatte ganz vergessen, wie schön doch der Herbst ist.“vernimmt.

Bild und Text zur Verfügung gestellt von Brigitte Kaplenig für das Redaktionsteam der Homepage www.badkleinkirchheim.at

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