Geschichten aus Bad Kleinkirchheim
Outdoor-Erlebnis in den Nockbergen
Autor: Wolfgang Krainer
„Dieses Kärnten ist ein Geschenk“, sagt Daniela. „Wenn ich nach Hause komme, habe ich viel zu erzählen. Und ich werde alle meine Freunde neidisch machen.“ Von Auskennen kann bei Daniela wirklich nicht die Rede sein. Anfang der Woche flog die Berlinerin in Klagenfurt ein. Zuerst ging es über die schroffen Dreitausender der österreichischen Alpen, dann wurden die Berge etwas niedriger und sehr viel einladender. Viel Grün sah die 48-Jährige vom Flieger aus. Das war also dieses Kärnten, von dem ein paar Freunde in Berlin so geschwärmt hatten. Naja, es sah wirklich klasse aus. Die Yogalehrerin wurde von einem netten Mitarbeiter der Sportschule Krainer in Empfang genommen und vorbei an zahlreichen Seen, Wiesen, Wäldern, durch malerische Ortschaften nach Feld am See chauffiert.
„Ich habe hier lauter Dinge erlebt, die ich noch nie gemacht habe. In Berlin habe ich mein Yoga, ich radle durch die Parks oder gehe im Umland wandern. Als Kind war ich mal in den Bergen. Dann nicht mehr.“ Und jetzt das! Da stellte sich Wolfgang Krainer – durch und durch Sportsmann und Besitzer der gleichnamigen Sportschule – vor und kündigte den Teilnehmern jede Menge Spaß an. Wurscht, ob einer schon mal geklettert war oder auf einem Mountainbike gesessen hatte. Mathias, der Chefguide, würde dafür sorgen, dass sie alle neben der sportlichen Herausforderung auch ihre Gaudi hätten.
Nun ist Daniela ein positiv denkender Mensch. Also machte sie sich keine Gedanken darüber, dass sie sich in Kärnten auf sportlichem Neuland bewegte. Sie kam in Feld am See an, sah den wundervollen See, fand die Berge trotz allem ganz schön hoch, gönnte sich erstmal Tee und Kuchen und legte sich in die Sonne. Der Rest der Truppe kam erst später – eine wundervolle Gelegenheit, mal richtig abzuschalten. „Nach ein paar Stunden war aller Stress, der sich in der lauten Stadt so ansammelt hat, weg. Die Anderen kamen, wir kriegten unsere Ausrüstung, die Zelte wurden auf den Berg gefahren, und wir sind hinterher marschiert. Man glaubt gar nicht, wie schön es ist, wenn man das Tempo raus nimmt und sich auf sich selbst besinnt.“
Tut langsam, sagte Wolfgang den deutschen Gästen. Und sie hielten sich dran – früher oder später. Anfangs meinten ein paar noch, den Berg in Rekordzeit stürmen zu müssen. Doch bald schon merkten sie, dass gelassenes Gehen oft schneller zum Ziel führt als ungeduldiges Voranpreschen. Erster Abend auf dem Berg. Eine Almhütte. Zelte für die deutschen Gäste. Daniela teilte sich eines mit Simone – Laborantin, gleiches Alter, gleiches heiteres Temperament, was für eine nette neue Bekannte! Gegrillte, gekochte und gebratene Bioprodukte vom Bergbauern, einen original Kärntner Sterz, oberkärntner Fischspezialitäten, Vitaljause mit saisonalen Salaten, Obst und Gemüse oder einen selbstgebrannten Schnaps… „Ich kriege das gar nicht mehr auf die Reihe, womit wir hier verwöhnt wurden.“, sagt Daniela. „Ich weiß nur, dass nach dem Essen nur glückliche Menschen am Tisch gesessen haben.“
Und die Teilnehmer lernten wieder, was es für ein Genuss sein kann, wenn man nach langem Gehen an einen Bach kommt. Manchmal schmeckt nichts so gut wie eiskaltes Wasser frisch aus der Quelle. An diesem ersten Abend nach dem Essen beschloss Daniela, sie würde nicht im Zelt übernachten, sondern sie suchte sich einen Platz in der Nähe, wo sie die Matte und Schlafsack aufs struppige Gras breitete und sich dann „ins luxuriöseste Bett der Welt“ kuschelte. Sie guckte in den Himmel – der Mond stand voll und ein bisschen prahlerisch über Kärnten, die Sterne schienen viel näher als sonst. Das Gemurmel aus den Zelten verebbte, und über und um Daniela war eine große weite wunderbare Welt. Es war ein „Augenblick, den ich nie mehr vergessen werde.“
Geschlafen hat sie göttlich. Dann fürstlich gefrühstückt. Und dann meinte der Mathias, man werde nun biken. Hart war das schon für die Berlinerin. Steil, sehr steil und mühsam war diese Nockbiketour auf den Bad Kleinkirchheimer Hausberg – die Kaiserburg, übrigens im Winter das Skidorado in Kärnten. Es dauerte eine Weile, bis sie ihren Rhythmus gefunden hatte. Madl, sagte Klaus, der drahtige Bikeguide der Sportschule Krainer, wenn’s zu steil wird, schiebst einfach. Also hat sie ab und zu geschoben. Eigentlich, so hatte Daniela immer gedacht, sei das eine simple Sache mit dem Radfahren. Hast du es einmal gelernt, dann vergisst du nie wieder, wie es geht. Und jetzt musste die 48-Jährige erfahren, dass Radeln eben nicht Radeln ist. Bergab mit einem Mountainbike – da musste sie bei Klaus noch einmal in die Fahrschule. Um die Sicherheit für die Teilnehmer immer gewährleisten zu können, wird vor jeder sportlichen Aktivität ein ausführliches Techniktraining durchgeführt. „Hätte ich nicht gedacht, dass man da in den Pedalen stehen muss. Zuerst probierte ich’s im Sitzen, aber dann habe ich schnell gemerkt, dass es besser ist, wenn ich auf den Klaus höre.“
Der wiederum ist sehr zufrieden mit der Berlinerin gewesen. Auch am nächsten Tag, als er die Gruppe ins Wasser des Millstätter Sees schickte. Daniela hatte noch nie in einem Kajak gesessen – aber nach ein paar Minuten (unter fachlicher Anleitung von Mathias) hielt sie sich prima. Paddelte ohne Fehl und Tadel und ohne größeren Wackler über den Millstätter See. Zog das Boot an den Steg und sagte: „Ach Gott, jetzt wollen die mir auch noch das Klettern beibringen. Wo ich doch nicht schwindelfrei bin.“ Das professionelle Team bekam auch das hin. Zuerst wurde die Fortbewegung im ganz steilen Gelände geübt. Und dann hieß es. Rauf auf den Felsen. Da standen sie nun an der Kante und sahen runter. Zwanzig Meter Wand – das ist fürs erste Mal Abseilen schon ganz schön viel. „Das packst Du schon“, hörte Daniela, während sie den Klettergurt anlegte. Noch einmal letzte Instruktionen. Vertrauen in den Sichernden haben. Sich langsam nach hinten legen, bis man im rechten Winkel zum Fels steht. 20 Meter Luft unter dem Rücken, na und? Langsam runter gehen - wie der Berliner so schön singt: „Imma anner Wand lang!“
Noch einmal wanderten sie in die Kärntner Nockberge auf den mystischen Weltenberg Mirnock. Noch einmal tankten sie für den Alltag daheim auf. Wunderschöne Tiefblicke auf den Millstätter See. Eine Luft zum Saufen. Sonne satt. Ein sorgenloser heiterer Tag unterstützt durch GPS Geräte und Nordic Walking Stöcke. Ein weiteres Highlight der Woche war der Besuch des Naturmoors beim Stanahof. Lotte, urig und echt, begleitete die Teilnehmer durch die verschiedensten Bäder und sorgte mit ihrem steinigen Charme für ausgiebiges Gelächter.
Jemand erzählte die Sage vom Mirnockriesen, der die Tochter eines Fischers aus dem Tal kidnappte, aber nicht lange Freude an ihr hatte. In seinem Zorn griff er sich, was er so an Felsen in die Pranken bekam und schleuderte das Zeug ins Tal. Dort landeten die Geschosse in dem großen See und teilten ihn in zwei kleinere Gewässer. Und so finden wir sie heute vor: den Brennsee und den Afritzsee. Soll ein grusliger Gesell gewesen sein, der Mirnockriese. Die Kinder die am Brennsee aufwachsen, lassen sich die Geschichte gern erzählen, auf dass es sie ein wenig grusle. Wenn aber der Krainer Wolfgang die Anekdote zum Besten gibt, kann das rechte Schaudern nicht aufkommen. Dazu fühlen sich die Gäste bei der Sportschule Krainer aus Deutschland viel zu gut aufgehoben.
Der letzte Tag führte die Teilnehmer wieder per Mountainbike zurück zum See und fand seinen würdigen Abschluss beim Segeln, Kat-segeln und Surfen. Am Strand bei Lagerfeuer ließen die Teilnehmer und Veranstalter die Woche gemeinsam ausklingen. Davon kann Daniela gar nicht genug kriegen. Sie schaut und schaut und schaut. Das Wasser des Brennsees ist jetzt anthrazitfarben, die Wälder in den Nockbergen Die Berlinerin denkt daran, dass sie am nächsten Tag schon wieder in ihrem lebhaften Kreuzberg sitzen wird. Diese Landschaft wird ihr fehlen. Aber wie sagt der Wolfgang: „Die Natur findest du überall. Du musst nur raus gehen. Wenn ich mal einen harten Tag im Büro gehabt habe, laufe ich ein Stunde durch den Wald – dann bin ich wieder frisch. Und das will ich den Menschen mit geben, die uns hier besuchen.“ Es muss jetzt schön sein, da oben auf einem Gipfel zu sitzen und der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Daniela lächelt. Bei ihr und ihren neuen Freunden hat der Wolfgang mit seinem Team erreicht, was er wollte. Jetzt nimmt sie ein Stück Kärnten mit in die große Stadt…
…und dann? Naja, man wird sehen. Gut möglich, dass es sie wieder nach Kärnten zieht. Schließlich wartet da noch ein abendliches Stelldichein mit der untergehenden Sonne.
Bild und Text zur Verfügung gestellt von Wolfgang Krainer für das Redaktionsteam der Homepage www.badkleinkirchheim.at












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