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Park-Verbot mit Halte-Erlaubnis: Die Geschichte der „Biosphäre“ Nockberge

Überall knallten die Sektkorken – damals, in der ersten Nacht des Jahres 1987. Auch am Gipfel des 2308 m hohen Falkert hatte sich zu Silvester eine kleine Schar zusammengefunden, um auf einen ganz besonderen Geburtstag anzustoßen. An diesem 1. Jänner 1987 nämlich wurde das Gebiet der Nockalm unter Schutz gestellt.

Doch gehen wir gleich noch 10 Jahre weiter in die Vergangenheit zurück: Vor etwa vier Jahrzehnten – ich lernte damals gerade, verletzungsfrei mit Messer und Gabel umzugehen – sah die Mitte Kärntens in den Köpfen der Menschen noch ein wenig anders aus. Die Nockalmstraße in ihrer heutigen Form gab es noch nicht. Selbst ihr Vorgänger, ein holpriger Almweg zur Bewirtschaftung der höhergelegenen Weiden, hatte erst einige Jahre am Buckel. Wer in die (Nock-) Berge wollte, musste also zu Fuß gehen. Doch die Kärntner kannten „ihre“ Nockberge ganz gut – das einzigartig sanfte und dennoch hochalpine Wandergebiet erfreute sich seit eh und je großer Beliebtheit bei den naturverbundenen Menschen.

Nicht jeder empfand das so. Die „menschenleere Schneewüste“, wie ein hochrangiger Politiker das Gebiet im Herzen Mittelkärntens damals bezeichnete, gehöre zu Geld gemacht. Denn außer den Einheimischen in den angrenzenden Dörfern, deren Bewohner die Nockberge über Jahrhunderte für den Bergbau oder die Almwirtschaft nutzten, verirre sich ohnehin niemand da hinauf. Wer würde sie also schon großartig vermissen? Der Gedankengang ist nachvollziehbar: Die Zeit des Bergbaues war damals schon lange vorbei. Auch mit der Landwirtschaft ging es bergab: Neue Produktionsmittel und Maschinen ließen sich im Flachland wesentlich günstiger einsetzen als hier auf den Steilwiesen des östlichen Alpenhauptkammes. Junge Menschen fanden daher in ihrer Heimat keine Arbeit mehr, sie zogen in die aufstrebenden Zentren, wo es in den Jahren des „Wirtschaftswunders“ genügend zu tun gab.

Almrauschgärten überall

Doch viele Leute wollten überhaupt nicht weg – zu stark war die Bindung an ihre liebgewonnene Heimat. So ist es nicht verwunderlich, dass die Freude riesengroß war, als eine Investorengruppe aus Deutschland mit der Idee nach Kärnten kam, inmitten der Nockberge ein Schigebiet nach Arlberger Vorbild zu errichten. Als der damalige Landeshauptmann davon Wind bekam, war er anfangs ebenso begeistert wie die Kärntner Bevölkerung: 40 neue Arbeitsplätze könnten hier entstehen, frohlockte er.

Es sollte nicht lange dauern, und aus den 40 neuen Jobs wurden – vor lauter Vorfreude – gleich einmal 100. Die Betreibergruppe aus Deutschland, mittlerweile verstärkt durch Projektpartner aus Kärnten, kam beim neuerlichen Nachzählen bereits auf 330 neue Stellen, die nur mehr der damalige Landeshauptmannstellvertreter überbieten konnte: Seiner Einschätzung nach wären es 1036 neue Plätze – wie auch immer er das so genau zu berechnen vermochte.

Dieser Landeshauptmann-Stellvertreter hatte eine weitere Position an Kärntens politischer Spitze inne – nämlich die des Naturschutzreferenten. In dieser Funktion war er nebenbei mit Plänen konfrontiert, die vorsahen, Teile des südlichen Nockgebietes in einen Stausee zu verwandeln. Auch der Millstätter See solle zu einem Staubecken umgebaut werden, erläuterte das Projektpapier. In anderen Worten: Inmitten des südlichen Nockgebietes sollte ein Mega-Kraftwerk entstehen, welches den Wasserhaushalt der gesamten Gurktaler Alpen auf den Kopf stellen würde. Jemand, der heutzutage mit einem Plan wie diesem an die Öffentlichkeit tritt, müsste sich wohl Fragen zu seinem allgemeinen Geisteszustand gefallen lassen. Doch andere Zeiten, andere Sitten: Damals war der Naturschutzreferent auch gleichzeitig Chef des antragstellenden Energiekonzerns! Es ging also recht bunt zu im Lande.

Das Pflegepersonal unserer Almen

Langsam sickerten die Details der Ausbaupläne – Codename „Kärntner Arlberg“ – an die Öffentlichkeit. Mehrere, auf das Nockgebiet verteilte Hotelkomplexe im Stile der Robinson-Club-Ferienanlagen, waren angedacht. Mit etwa 8000 Betten in der ersten (!) Ausbaustufe. Dazu eine Schipisten-Infrastruktur über 1000 Hektar inmitten der heutigen Schutzgebiets-Kernzone. Und da das Gebiet noch nicht erschlossen war, wären auch noch alle anderen Voraussetzungen zu schaffen, wie Parkplätze, Kraftwerke, Badethermen usw.

Das klang nun nicht mehr so toll. Denn was dem Straßenbaureferenten eine menschenleere Schneewüste war, hatte bei der Mehrheit der Bevölkerung einen fixen Platz im Herzen. Niemand war bereit, das beliebte Wander- und Erholungsgebiet für eine paar Arbeitsplätze zu opfern. Zumal, wenn es nach der Bevölkerung ging, diese Arbeitsplätze auch ruhig in den nahegelegenen, bereits bestehenden Schigebieten wie Bad Kleinkirchheim, der Turracher Höhe oder Innerkrems entstehen könnten. Schigebiete, die damals boomten, und vielleicht ohnehin nicht auf eine Konkurrenz in unmittelbarer Nähe gewartet hatten.

Menschenleere Schneewüste

Als im Jahr 1980 erste Bagger über die inzwischen hervorragend ausgebaute Nockalmstraße rollten, befeuerte das eine breite öffentliche Diskussion. Nach heftigen Kontroversen faßte man den Entschluss, das Volk entscheiden zu lassen, wie es mit den Nockbergen weitergehen soll. Und so kam es zur historischen Volksbefragung, bei der sich über 94 Prozent der gezählten Stimmen für eine Unter-Schutz-Stellung der Nockberge aussprach. Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis der Wille des Volkes tatsächlich in Gesetzesform gegossen wurde – weshalb der Korken am Falkert, wie berichtet, erst 1987 knallte.

Über ein Vierteljahrhundert entwickelte sich der „Nationalpark Nockberge“ zu dem, was er heute ist: Eine almwirtschaftlich genutzte Schutzzone, die allen Menschen als Erholungsraum offensteht. Einzig der Name „Nationalpark“ wurde unlängst geändert – denn diese Bezeichnung ist Schutzgebieten vorenthalten, aus denen sich der Mensch vollkommen zurückgezogen hat. Doch gerade das möchte man in den Nockbergen nicht: Auch weiterhin sollen sich die Bergbauern Kärntens um die Pflege der Almweiden unserer Nockberge kümmern, wie sie das seit Mitte des 12. Jahrhunderts bereits tun. Und dabei auch weiterhin von den rund 10.000 Rindern unterstützt werden, die jedes Jahr im Juni über die dafür geschaffene Nockalmstraße zu Berge ziehen. In einem Biosphärenpark darf man Kühe halten, soviel man möchte – ganz ohne „National-„.im Namen …

Morgenstunden am Gipfel

Infos

Literatur/Buchtipp: Herwig Gräbner: Die Kärntner Nockberge, 2014
Bildinfo: © alle: Martin Marktl
www.biosphaerenparknockberge.at

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